Kräutertee kalt aufgießen – acht Stunden, die sich lohnen
Ein gehäufter Teelöffel auf einen halben Liter kaltes Wasser, acht Stunden in den Kühlschrank. Am nächsten Morgen hast du etwas völlig anderes in der Kanne als am Abend zuvor – aus genau denselben Blättern.
Was kaltes Wasser herauslöst – und was nicht
Heißes Wasser löst fast alles heraus: die leichten Aromastoffe, die schweren, und die Gerbstoffe, die den Mund zusammenziehen.
Kaltes Wasser ist wählerisch. Es nimmt nur das Mildeste mit. Deshalb wird kalt aufgegossener Tee nie bitter, egal wie lange er steht – und deshalb schmeckt er weicher und runder als derselbe Tee heiß.
Der Preis dafür ist Zeit. Was heiß in fünf Minuten passiert, braucht kalt acht Stunden.
So geht es
- Ein gehäufter Teelöffel, etwa 2 g, auf einen halben Liter
- Kaltes Wasser direkt über die Blätter
- Abgedeckt in den Kühlschrank, über Nacht
- Am Morgen absieben – sonst wird es mit der Zeit doch noch kräftig
Innerhalb von zwei Tagen trinken. Kalt aufgegossener Tee wurde nie erhitzt, also gelten dieselben Regeln wie für jedes kühl gelagerte Getränk.
Warum kalter Tee süßer wirkt
Das ist keine Einbildung. Die Signale für süß und bitter werden von einem Ionenkanal namens TRPM5 verstärkt, und der arbeitet bei niedriger Temperatur schlechter.
Die Bitterkeit wird dabei stärker gedämpft als die fruchtigen Noten. Also treten die nach vorn – und der Tee wirkt süßer, obwohl nichts hinzugekommen ist.
Welche Mischung sich am besten eignet
Je zitrischer, desto besser. Zitronenverbene und Zitronenschale kommen kalt besonders klar heraus, während kräftige, erdige Kräuter kalt eher zurückhaltend bleiben.
Kalt am schönsten: MeriZen mit Zitronenverbene und Zitronenschale. Eine Scheibe frische Zitrone dazu, sonst nichts.
🌿 Gönn dir fünfzehn Merifemme-Minuten.